Kirche von Kirch Mummendorf

ein keines Juvel unter den Dorfkirchen in Mecklenburg Vorpommern


 Ein Kommentar zu dem Sensationsfund in der Kirche von Kirch Mummendorf von Butch Speck

 1000 Jahre Kirche in Kirch Mummendorf

„Selig sind die, die nichts sehen und doch glauben!“Johannes 20/29

Kommen die drei alte Balken wirklich aus einer Vorgängerkirche in Mummendorf?


 
Der Erste Vorsitzende der Doppelspitze des inneren Zirkels des Förderkreises der Kirche in Kirch Mummendorf

(1VDIZ-KfKKM), Herr Christian Böhler,  stellt auf der von ihm betreuten Web-Seite das Narrativ auf, dass die Kirche in Kirch Mummendorf bereits vor 1000 Jahren bestand. Als Beweis verweist er auf drei Balken, die im Dachstuhl des Kirchenschiffs eingebaut sind. Seine Behauptung, dass der

„ ... in der Regierungszeit des Bremer Erzbischofs Unwan (Regierungszeit 1013-1029) die erste Kirche von
Kirch Mummendorf um/nach
  1026 als Holzbau gebaut wurde“

ist eine mutige Behauptung. Hält sie einer historischen Prüfung stand?


Gliederung:

1. Historische Balken im Dachstuhl der Kirche
a. Sinn und Zweck des „Sensationsfundes“
b. dendrologische Untersuchung
c. Fundort

2. Geschichtlicher Hintergrund
a. slawische Völker (Obodriten, Polaben, Wagrier)
b. christliche Mission
c. Slawenaufstand (1066-1093)
d. Kreuzzug und Kolonialisierung
3. Architektur der Kirche in Kirch Mummendorf


1. Historische Balken im Dachstuhl der Kirche

Grundsätzlich stellt sich die Frage, warum drei 1000 Jahre alte gebrauchte Eichenbalken in einen Nadelholz-Dachstuhl verbaut wurden, ohne dass man diesen „Sensationsfund“ für 200 Jahre bemerkte.


  a. Sinn und Zweck des „Sensationsfundes“

Ausgangspunkt für diese Frage ist ein erbitterter Streit zweier alter Männer, die darum wetteifern, wer die älteste Kirche Mecklenburgs findet.

Der seit langem pensionierte Architekt und Kirchenbaumeister,  Gisbert Wolf  (92 J.) war lange Jahre verantwortlich für das Bauwesen in der Mecklenburgischen Landeskirche. Im Pensionsalter hat er sich das anspruchsvolle Ziel gesteckt, ein Gesamtwerk über die Stadtkirche  Gadebusch herauszugeben. Er möchte beweisen, dass dieses die älteste Kirche des Landes Mecklenburg ist. Die Grundsteinlegung des Gebäudes datiert er auf das Jahr 1207...

Sein damaliger „Lehrling“ und Mitarbeiter, der Architekt, Ralf Gesatzky  (74 J.) assistierte ihm, bis sich ein langjährige Konkurrenzkampf der alten Männer entwickelte und er mit seinem Lehrmeister gleichziehen wollte. Pünktlich mit der Gründung eines Förderkreises in Kirch Mummendorf entdeckte er die bisher ältesten nachgewiesenen Balken in dem Dachstuhl dieser Kirche. Die Recherchen des vom Alter geschwächte Herr Wolf wurden übernommen und mit vermeintlich wissenschaftlichen Erkenntnissen erweitert.
Seine Spezialität ist die dendrologische Untersuchung von Bauhölzern, d.h. Bohrproben von Holzbalken werden mit dem standardisierten Maßen von Jahresringen verglichen.


b. dendrologische Untersuchung

Vergleichbar mit einen 20 Kilometer langen „bar-code“ reihen sich die Jahresringe der Eichen aneinander. Je nach Klimaverhältnissen war das Wachstum gut oder weniger gut, d.h. die Jahresringe waren mal breit und mal schmalen. Legt man seine Bohrprobe an diesen bar-code  an, so gibt es irgendwo im Wachtstumsmuster einen „matcht“ .
Aha – dieser Baum ist dann und dann gepflanzt und wurde dann und dann gefällt. Das Spektrum geht über einen Zeitraum von mehr als 2000 Jahren.

Den Zeitpunkt der Fällung kann man so auf das Jahr genau bestimmen. Offen bleibt allerdings die Bestimmung des genauen Standorts,denn der offizielle Vergleichs-“bar-code“ gilt für ganz Nordeuropa – soweit die Klimaverhältnisse ähnlich sind. Den genauen Standort kann man nicht herleiten.

Wenn Herr Böhler nun sagt, dass die Bäume in Mummendorf gefällt, verarbeitet und sofort eingebaut wurden, so ist das reine Spekulation und eine Glaubenssache.


c. Fundort

Der Dachstuhl wurde laut Aufzeichnungen von Herrn Gesatzky im Jahre 1828 komplett erneuert


Das betrifft die gesamte Konstruktion der Sparren, Dachlatten, Fetten und Ringbalken. Auch die sobenannten 26 „Sparrenknechte“ wurden ersetzt… obgleich diese „Schnee von Gestern“ sind:

Bei den tragenden Dachsparren mit den Maßen 30x30 cm und einer Länge von locker 8 Metern braucht man eigentlich keine Sparrenknechte mit einer Höhe von 1,60 Metern.
In diesem niedrigen Bereich biegt sich nichts durch. Anders ist es mit den
  Kehlbalken, die ein Durchbiegen in der Mitte der Länge verhindern sollen.

Die „Sparrenknechte“ hatten eine andere Funktion!

Ursprünglich hatte die Kirche in Mummendorf eine Gewölbedecke - so wie sie immer noch im Altarraum erhalten ist. Das ursprünglich quadratische Kirchenschiff (~10x10 Meter) teilte sich in vier Kreuzrippengewölbe, die durch eine Mittelsäule und die Wandanschlüsse getragen wurde. Diese neue gotische Bautechnik setzte sich Anfang des 12.Jahrhunderts durch und erlaubte es, meist dreischiffige Kirchenhallen in fast beliebiger Größe zu bauen. Aber auch für zweischiffige bot es sich an. Man musste allerdings die Säulen in der Mitte des Kirchenschiffs in Kauf nehmen, die einem die Sicht nehmen konnte.

Ein gutes Beispiel ist die alte Kirche in Schlagresdorf auf dem Weg nach Ratzeburg.(Grenzhuus)


Da die Kuppeln der Kreuzrippengewölbe über den oberen Ringbalken herausragten, verbot sich die Nutzung von durchgehenden Deckenbalken einer romanischen Flachdecke.
Um den Druck der Hauptsparren des Schindeldaches abzufangen und eine „saubere“ Holzverbindung zu ermöglichen, lagerte man die Sparren auf Deckenbalken, die nur als kurze Stummel“ (Balkenköpfe) vorhanden sind. Damit diese auf dem Ringbalken nicht hochklappen können, werden sie vom Sparrenknecht in Position gehalten.

Foto Sparrenknecht- Funktion.

Warum von den 26 Sparrenknechten drei „second-hand-Balken“ in der Nord-West-Ecke eingebaut wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.
Es ist offensichtlich, dass sie zuvor anderen Zwecken gedient hatten. Mindestens einer war zuvor eine Diagonalstütze in einer Fachwerkaußenwand, was man an den Auskerbung für eine Überblattung sieht. Bei den anderen handelt es sich offensichtlich um Teile von Ästen: Der Anteil von Splintholz ist extrem hoch, was man am Wurmfraß unschwer erkennen kann.

Diese drei „Oldtimer“ sind offensichtlich nachträglich eingefügt worden. Es war kein professioneller Zimmermann, der diese lausige Arbeit vollbracht hat. Spätestens bei der Bauabnahme hätte er Ärger mit der Baukommission bekommen. Als Zimmermannslehrling hätte Herr Chris Böhler erkennen müssen, dass die Zapfen und die Zapfenlöcher nicht stimmig sind und die Winkel der Köpfe der „Sparrenknechte“ nicht dem Winkel der Dachsparren entsprechen.

Es ist offensichtlich, dass die drei Balken nachträglich (innerhalb der letzten 200 Jahre) eingesetzt wurden. Wie wann und warum die „Sparrenknechte“ dort eingefügt wurden, ist zu erforschen.
Welcher Zimmerermeister hätte es zugelassen, dass schlecht alte, gebrauchte und verwurmte Eiche in einen Dachstuhl aus Nadelholz eingebaut wird?
Die restlichen 23 Sparrenknechte wurden übrigens perfekt in den Dachstuhl eingepasst.


c. Zusammenfassung

- Es wurde nicht gesichert festgestellt, ob die die hochgelobten Balken hier aus der Gegend stammen.
- Es ist nicht einmal gesichert, ob die
Bohrkerne aus diesen Balken stammen.

- Es ist unverständlich, warum diese funktionslosen Sparrenknechte eingebaut wurden.


d. Menschliche Einflussnahme

Es ist davon auszugehen, dass bereits vor der letzten Dachstuhlerneuerung von 1828 die Dachkonstruktion geändert wurde. Im östlichen Mauerwerk des Turmes ist zu sehen, dass eine frühere Dachkonstruktion steiler gewesen war. Dieses neue Dach wurde ca.1,50 Meter tiefer gesetzt. Der Winkel wurde dadurch weniger steil.

Der Dachstuhl des Altarraumes scheint seit dem Jahr 1622 (mitten im 30-jährigen Krieg) erhalten worden zu sein, was eine eingekerbte Inschrift auf den Balken belegen könnte. Hier finden sich noch „Sparrenknechte“, die aufgrund des alten Gewölbes noch ihrer stützenden Funktion nachkommen.

Bereits im Laufe der vielen Jahrhundert zuvor wurden viele grundlegende Veränderungen am Dachstuhl vorgenommen.
- Das anfänglich quadratische Kirchenschiff mit dem Kreuzrippengewölbe wurde im Rahmen einer Erweiterung der Kirche abgerissen und durch eine hölzerne Flachdecke ersetzt. (siehe unten)
Interessant ist hierbei die
Hänge-Konstruktion des Dachstuhls, welche die bis zu 18 Meter langen Deckenbalken vor dem Durchhängen bewahrt.

Foto unten

- Die Kirche wurde in westlicher Richtung um ca. 20 Meter verlängert, indem der zuvor hölzerne freistehende Turm als Backsteingebäude in das Essemble des Kirchenschiffs mit einbezogen wurde.
Die veränderten
Zierfriese auf der Außenmauer deuten auf den gemeinsamen Erweiterungsbau hin.
- Es mag sein, dass der Turm anfänglich keine Turmspitze hatte sondern oben offen war – als Beobachtungsposten für die Stepenitzbrücke. Die Absätze im Mauerwerk und der Wechsel im Stiel der Fensteröffnungen unterstützen diese Vermutung.

- Mit einer Aufstockung des Steinturmes wurden seitliche Stützmauern notwendig ergänzt.
Foto unten

- Dem Andrang und dem Bedarf der Kolonialisten und Siedler entsprechend entstand nun ein sehr großes Kirchenschiff.
Dieses wurde erst im 18‘ten Jahrhundert rückgängig gemacht bzw. verändert.

- Der Bereich das Turmes wurde zum Eingangsbereich umfunktioniert. Die großen gotischen Rundbögen zum Kirchenschiff hin wurden mit Holzbrettern geschlossen und mit Teerpappe verkleidet.

- Im Kirchenschiff wurde eine U-förmige Empore errichtet, die fast das gesamte Kirchenschiff einnahm. An der westlichen Stirnseite wurde eine große Orgel eingebaut, die später durch eine gebrauchte Friese-Orgel ersetzt wurde.

- Zwei Öfen wurden angeschlossen. Die Schornsteinzüge wurden recht brachialisch und die starken Stützwände eingemeißelt.

- Ein – für damalige Zeiten pompöser - Barock-Altar wurde im Chorraum installiert. Das alte, runde Taufbecken aus Gotland-Sandstein wurde durch ein achteckiges Gusseisen-Taufbecken ersetzt. Was geblieben ist, ist die Taufschale aus Messing von 1648. Seitdem wurden alle Mitglieder der evangelischen Gemeinde mit dem Weihwasser aus dieser Taufschale in die christliche Gemeinschaft aufgenommen.

-1964-84 wurde die Kirche von dem Architekten und Kirchenbaumeister Gisbert Wolf aufwendig renoviert und „modernisiert“. Die Bänke und die Decke wurden „modern“ grau angemalt und rostrot abgesetzt.

- Die Wandmalereien wurden übermalt und die Sitzbänke erhielten eine elektrische Heizung.

- Der Altar wich einem schlichten Ziegel-Block mit lutherisch pietistischem Schmuck.

- Warum bei dieser Renovierung die historischen Drei-Balkenheit nicht entdeckt oder aufgefallen sind, bleibt ein Rätsel.

2. Geschichtlicher Hintergrund
a. slawische Völker (Obodriten, Polaben, Wagrier)

Nachdem die alt-germanischen Stämme es im Rahmen der „Völkerwanderung“ vorgezogen haben, nach Galicien auf der Iberischen Halbinsel auszuwandern, setzten sich ab 400 n. Chr. slawische Stämme in den verlassenen Gebieten östlich der Elbe (Labe) fest. Sie etablierten die kleine Herrschaftsgebiete Wagrien, Polabien und Mecklenburg (Obodriten).
Das Stammesgefüge war auf Familie-Clans aufgebaut. Privateigentum war nicht die Antriebsfeder der Gesellschaft. Vielmehr waren die „Ehre“, die dörfliche Gemeinschaft und der Glaube an die lokalen Gottheiten die Grundlage des Zusammenlebens. Rundlingsdörfer, rotierender Zwei-Felder-Wirtschaft, Jagd und Fischfang waren die Existenzgrundlagen der (fast) sozialistischen Lebensstruktur.
Obligatorische Raubzüge im Frühling halfen über die hungrige Zeit hinweg, wenn die Wintervorräte verbraucht waren und die Gärten noch keine neuen Früchte lieferten.

Mit dem massiven Druck durch die Franken und Sachsen entwickelten sich Wehrgemeinschaften, die sich auch gern einmal mit den Hamburgern, Dithmarschern, Friesen Dänen und Schweden (Wikingern) anlegten.
Der Kolonialisierung ihrer Lebensräume ging bereits seit dem 8.Jahrhundert die missionarische Christianisierung voraus, bei der schon mal die Köpfe der „Heiden“ rollten.
Den landwirtschaftlich moderneren Bearbeitungsmethoden der Eindringlinge und dem grenzenlosen Ehrgeiz nach Privateigentum der Eindringlinge aus dem Süden konnten die Slawen nichts entgegensetzen.


b. christliche Mission

Kolonialisierung und Christianisierung

Der Journalist Tilman Bair hat recht mit der Feststellung, dass die Christianisierung der Slawen bereits zur ersten Jahrtausendwende in vollem Gange war.
Nachdem die Sachsen recht gewaltsam "christianisiert" worden waren (Stichwort:
"Bonifatiuseiche") drängte es die katholische Kirche, auch die "Heiden" im Osten Europas zu bekehren. Ähnlich wie heute die Begriffe "Demokratie" und "Freiheit" Ausdruck westlicher Machtideologie sind, war es früher die Zugehörigkeit zum „christlichen Glauben“ und die Unterwerfung unter den römisch-deutschen Kaiser.
Der obodritische Fürst
"Udo" (1018 bis 1028) war mehr oder weniger freiwillig zum christlichen Glauben übergewechselt. Dafür musste seinen Sohn "Gottschalk" als Geisel in die Klosterschule Sankt Michael in Lüneburg zum Früh-Kapitalismus erziehen lassen. Nach Udos Ermordung im Jahre 1028 übernahm Gottschalk die Regentschaft und "missionierte mit Eifer" bis zu seiner Ermordung im Jahre 1066. (Quelle: Helmold von Bosau)
Die frisch entdeckten Balken der Kirche von Mummendorf stammen aus dieser Zeit:

1026; 1059:1068;1168;1194

Ob sie aus Mummendorf stammen und ob sie in einer frühen Kirche verbaut waren, ist äußerst unwahrscheinlich, denn den damaligen Chornisten zufolge wurden alle christlichen Gebäude und Reliquien zerstört. Auch wäre es sehr ungewöhnlich, wenn in ein Gebäude so häufig neue Bauteile eingesetzt werden – die dann auch noch erhalten blieben.
Das zeitliche Spektrum der Balken und die Gebrauchsspuren deuten mehr auf einen Kirchenbauhof hin, der als Sammelplatz für Restaurierungen angelegt wurde.
Es ist weder geklärt, ob die besagten „Sparrenknechte“ überhaupt aus der Kirche Mummendorf stammen bzw. wann sie dort eingebaut wurden. Auch ist nicht sicher, ob die in Berlin eingereichten sensationellen dendrologischen Bohrkerne überhaupt in Kirch Mummendorf genommen wurden oder aus einer völlig anderen Gegend
stammen.

c. Slawenaufstand (1066-1093)

An dieser Stelle sei eingefügt, dass es im Jahre 1066 einen massiven Aufstand der Westslawen gegen
die Christianisierung durch die Kirche und die neue Bedrohung aus dem Westen gab.
Der Landesfürst
Gottschalk wurde in Leezen vor dem Altar der Kirche ermordet, in Ratzeburg wurde der amtierende Abt Ansverus und 28 Mönche des dortigen Klosters gesteinigt. In der Mecklenburg wurde der entsandte Bischof gefoltert und ermordet. Die Ehefrau von Gottschalk und der kleine Sohn Heinrich konnten dem Tod knapp entkommen und flüchten zum dänischen König.

Dieser Heinrich (von Alt-Lübeck) sollte später eine entscheidende Rolle bei der Selbst-Unterwerfung des Slawenlandes unter die christliche Herrschaft der Sachsen spielen.
Erst im Jahre
1093 wurde der Aufstand der Slawen gegen das Neue in der Schlacht bei Schmielau gewaltsam beendet. Nun stand der Besiedlung des Slawenlandes nichts mehr im Wege.

Der sächsische Herrscher Heinrich III (der Löwe) hatte keine Lust, mit seinem Vetter, dem Kaiser Friedrich Barbarossa auf Kreuz- und Eroberungsfahrt nach Palästina zu reisen. Er wollte nicht den gefährlichen und langwierigen Marsch ins Heilige Land antreten, sondern bevorzugte statt dessen einen Kriegszug gegen die benachbarten heidnischen Slawen – um sozusagen
"Lebensraum im Osten zu schaffen"
Unterstützt wurde dieser Plan durch den katholischen Mönchsorden der
Zisterziensern, die zur Bekehrung und Unterwerfung der „Heiden“ aufriefen. 
Das Ziel der Kreuzfahrer war dabei weniger die Heiden-Bekehrung. Schon zeitgenössische Chronisten bemängelten, es sei zuallererst um den
Ausbau des Herrschaftsbereiches und um die Vermehrung der Einkünfte gegangen. [Wikipedia]
In der
1167/68 von dem Mönchen Helmold von Bosau verfassten Slawenchronik 
(
Chronica Slavorum) wird die Geschichte der „Westslawen-Missionierung“ beschrieben: 
Von grundsätzlicher Bedeutung war die
Förderung der Bistümer Ratzeburg/Oldenburg/Lübeck und die Slawenmissionierung. Die Christianisierung der Slawen und die Sicherung der Landnahme war nur mit dem sächsischen Heinrich dem Löwen zu erreichen, der „die Nacken der Aufrührer beugte, ihre Burgen brach, die Wegelagerer vertilgte, Frieden machte im Lande, die stärksten Festungen erbaute und ungeheures Eigentum anhäufte.“[Wikipedia]

Siedler bzw. Migranten aus Westfalen, Niedersachsen und Franken überfluteten die slawischen Dörfer und Wohngebiete. Sie importierten die christliche Tradition und verdrängten bzw. beseitigten die lokalen Gottheiten und den größten Teil der Bevölkerung. 
Wenn man es recht betrachtet, dann sind „wir“ die Nachfahren dieser Eindringlinge, sozusagen die "Weißen" unter den "Indianern". Eine Vermischung war schon damals traditionell nicht gewünscht.

In Ratzeburg überbaute die christliche Kirche das Heiligtum der SIWA mit dem Dom als neuem Bischofssitz und im Dorf Mecklenburg organisierte der von Bremen eingesetzte Bischof die neuen „Kirchspiele“ und Kirchensteuern.

Im „Ratzeburger Zehntregister“ von 1230 n. Chr. wurden dem Kirchspiel Mummendorf (Reg.Nr.:289-298) die Orte Tramm, Rodenberg, Poppenthorp, Pohnstorf, Hanstorf, Rucsin, Roggenstorf und Teschow zugeordnet. Zu dieser Zeit war das Land schon voll unter westeuropäischem und katholischem Einfluss. Die Slawen hatten sich gen Osten zurückgezogen oder wurden als Knechte, „Sklaven“ oder als Leibeigene auf den jungen Höfen (Hufen) als Leibeigene „angestellt“.
(Bemerkens- und verachtenswert ist, dass die Ausdrücke „Sklaven“ und „Slawen“ den selben Wortursprung haben und im Englischen identisch sind. Man hat die Slawen schon gerne mal versklavt!

Es scheint typisch zu sein für unsere Zeit, dass man "lieber tot als Slawe" sein möchte.)

Es wäre interessant darüber zu spekulieren, was vor der Backstein-Kirche in Mummendorf gewesen sein könnte.

Die Stepenitz (Stepnitza=> Sumpf-Fluss), die sich von Schwerin bis Travermünde schlängelt, bildete eine natürliche Barriere für die Überwegung von Süd nach Nord bzw. West und Ost. 
In Mummendorf war die ersten Furt oder Brücke flussaufwärts der Trave. Namensgeber der Siedlung waren die "Mummen", die in den Fluss eingeschlagenen dunklen Markierungen der Furt. 
(Die Brücke am Ausfluss der Stepenitz in die Lübecker Bucht bei Dassow wurde erst in späteren Jahren gebaut.) 
An der Stelle der jetzigen Kirche mag ein Thing- bzw. Versammlungsplatz mit einer „Gerichtslinde“ gewesen sein. Die Stepenitz galt stromaufwärts bis hierhin als schiffbar. Hier kreuzte der Weg von Ratzeburg zur Mecklenburg den Grenzfluss zwischen den Polaben und den Obodriten. 
Die Fläche am Abhang zum Stepenitztal könnte sich zu einem idealen Ort als Handels- bzw. Umschlagplatz entwickelt haben. Auch taugt es als Beobachtungsposten bei unliebsamen Besuch.

Falls es dort tatsächlich einen Versammlungsort oder einen kleinen göttlichen Hain gab, wäre es für die christliche Kirche nicht abwegig, sich diesen exponierten Platz einzuverleiben. Sie könnten dort ein normales, ortsübliches Grasdachhaus errichtet oder übernommen haben.
Die slawischen Obodriten bzw. Polaben nutzten eine
Lehm-Ständer-Bauweise, die keine quadratischen Fachwerkbalken brauchte. Es war nicht notwendig, für die Holzkonstruktion die Balken rechtwinklig zu hauen bzw. zu sägen.

Wie alle anderen Hütten dieses Ständer-Baustieles blieb nichts der Nachwelt erhalten.
„Modernes“ Holzverarbeitungswerkzeug gab es kaum, die Bauweise der Fachwerkhäuser schon gar nicht.
Der Konstruktionsstil der "Fachwerkhäuser" entstammt der Tradition der Niedersachsen oder Westfalen, die erst mit der Kolonialisierung durch "Heinrich den Löwen" (1147 ff.) in den "neuen Lebensraum im Osten" gelockt wurden.
Erst mit der gewaltsamen Niederschlagung des Slawenaufstandes 1093 und der Kolonialisierung (1147 n. Chr.) kamen immer mehr Siedler ins Land. Der Bedarf an einer „vernünftigen“ Kirche für die neuen Gemeinden wuchs. Vorbild waren die Dom-Bauten in Ratzeburg, Braunschweig und Lübeck, die im kleinen Rahmen in den Kirchen vom St.Georgsberg, in Schlagresdorf und anderswo.


Die für diesen Artikel entscheidende Frage ist:

„Stammen die drei Balken in der Kirche tatsächlich von einer Mummendorfer Vorgängerkirche?“

Die Antwort ist: „Die Chancen stehen extrem schlecht für diese Theorie!“

Es ist sehr löblich, dass manchmal gefragt wird, was denn dort war, bevor „wir“ das Land erobert und kolonialisiert haben. Die Aufstand der Obodriten gegen die Christianisierung und die radikale Zerstörung sämtlicher christlichen Heiligtümer im Slawenland macht es aber sehr unwahrscheinlich, dass diese drei hölzerne Relikte die Jahrhunderte überdauert haben, um im Jahre 1823 ihren Platz im Dachstuhl der Kirche zu erhalten und 200 Jahre später „entdeckt“ zu werden.

Am wahrscheinlichsten ist es, dass sich in der Neuzeit irgendwelche Hobby-Historiker oder eine beauftragte Baufirma diese gebrauchten Balken von einem Recyclinghof für denkmalgeschützte Baumaterialien geholt haben, um sie hier zu verbauen.

Es sind zu viele Zufälle, dass diese „Alleinstellungsmerkmale“ gerade jetzt entdeckt wurden, wo es um den Erhalt und die Finanzierung einer Komplett-Sanierung unserer alten Dorfkirche geht.
Welche Rolle der „Alt-Männer-Streit“ in diesem Sensationsfund spielt, lassen wir einmal dahin gestellt.
Nur eine wissenschaftlich-forensische Untersuchung der „Sparrenknechte“, der Holzverbindungen und der anliegenden Balkenkonstruktion könnte Aufschluss über dieses „Wunder“ geben.